01 In diesem Kapitel schauen wir uns Aktien als Finanzprodukte an, in die man Geld anlegen kann. 02 Wozu existieren Aktien? Unternehmen geben Aktien aus, um frisches Geld von Investoren einzusammeln. Dazu müssen die Unternehmen Aktiengesellschaften sein, beispielsweise eine deutsche Aktiengesellschaft (AG), eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) oder eine Aktiengesellschaft der Europäischen Gesellschaft Societas Europaea (SE). Der Inhaber einer Aktie wird Miteigentümer des Unternehmens. Bei der Gründung einer Aktiengesellschaft wird festgelegt, in wie viele Aktien das Grundkapital aufgeteilt wird. Diese Aktien können als Globalurkunden vorhanden sein oder als effektive Stücke gedruckt und herausgegeben werden. Die Ausgabe von Aktien bezeichnet man als Emission. Ist ein Unternehmen insolvent, so kann der Aktienkurs auf Null fallen! 03 Zu Beginn dieses Kapitels möchte ich einige Warnungen ausgeben. Hier ist als Beispiel der Aktienkurs der Steinhoff International Holdings, die nach einem Bilanzskandal Ende zweitausenddreiundzwanzig liquidiert wurde. Von fünf Euro pro Aktie fiel der Wert auf Null. 04 Hier ist der Chart der Wirecard AG nach einem sehr bekannten Betrugsfall in einem deutschen Dachs-Konzern. Auch hier fiel der Wert auf nahe Null. Bitte beachten Sie insbesondere die Geschwindigkeit, in der das geschah. Dabei befinden sich Aktien in der Pyramide der Risikoklassen nur auf der mittleren dritten Stufe von fünf Stufen. Zu der Pyramide habe ich ein separates Video erstellt. Den Link dahin finden Sie in dieser Videobeschreibung. 05 Ein anderes Beispiel: Hier ist der Verlauf der Volkswagen Vorzugsaktie beim Dieselskandal Ende zweitausendfünfzehn. Die Aktie hat dort sehr schnell über vierzig Prozent ihres Wertes verloren. 06 Im April zweitausendeinundzwanzig lag der Kurs wieder bei zweihundertfünfundvierzig Euro. Im Oktober zweitausenddreiundzwanzig dann wieder unter einhundert Euro. War und ist die Aktie günstig, billig oder wertlos? Welches Unternehmen bleibt unten liegen wie Wirecard oder Steinhoff und welches steht wieder auf? Halten Sie solche Schwankungen aus? Das soll ihnen keine Angst vor Aktien machen, sondern nur ein Bewusstsein dafür schaffen und eine Awareness. 07 Kommen wir nun zu einigen grundlegenden Begriffen. Zunächst schauen wir uns die Unterschiede zwischen Vorzugsaktien und Stammaktien an. Eine Vorzugsaktie ist eine Aktie, bei der der Inhaber in der Regel kein Stimmrecht als Aktionär bei der Hauptversammlung eingeräumt bekommt. Dafür erhält er aber das Recht auf eine bevorzugte, in der Regel höhere Dividende. Ihr Gegenstück ist die Stammaktie; sie ist mit einem Stimmrecht ausgestattet. Bei der Dividende werden Stammaktionäre jedoch erst bedient, wenn die Ansprüche der Vorzugsaktionäre vollständig befriedigt sind. Darüber hinaus können Vorzugsaktien im Falle einer Unternehmensliquidation mit einem höheren Rang ausgestattet sein. 08 Aus Investorensicht eignen sich Vorzugsaktien besonders für Anleger mit rein finanziellen Interessen, die keine Kontrolle über eine Aktiengesellschaft ausüben wollen. Aus Unternehmenssicht eignen sich Vorzugsaktien, um das Eigenkapital des Unternehmens zu erhöhen, ohne die Kontrolle des Unternehmens in Form von Stimmrechten anteilsmäßig abgeben zu müssen. 09 Was ist eine Dividende? Das Unternehmen kann die Aktionäre über Dividenden am Gewinn des Unternehmens beteiligen. Die Dividende ist eine pro Aktie geleistete Zahlung an den Aktionär, die typischerweise einen Groß-Teil des Gewinns des letzten Jahres auszahlt. Die Höhe der Dividende wird vom Vorstand vorgeschlagen und von der Hauptversammlung des Unternehmens beschlossen. Dies geschieht in Deutschland typischerweise einmal jährlich. Anleger haben aber keinen Anspruch auf eine Dividende, sie darf auf keinen Fall mit einem Zins verwechselt werden. 10 Was ist eine Dividendenrendite? Die Dividendenrendite ist eine Kennzahl zur Bewertung von Aktien als Verhältnis der Dividende zum Aktienkurs. Die Dividendenrendite wird in Prozent angegeben und gibt Aktionären Auskunft darüber, wie die Aktien verzinst werden. Eine hohe Dividendenrendite sagt nichts über die Profitabilität eines Unternehmens oder die Qualität der erwirtschafteten Gewinne aus. Mit steigender Dividende oder mit einem fallenden Aktienkurs steigt die Dividendenrendite. Die Dividendenrenditen der DAX-Unternehmen schwankten zweitausendsiebzehn zwischen null-komma-sechs-neun Prozent (Deutsche Bank AG) und acht-komma-acht-zwei Prozent (RWE AG). Am Tag nach der Dividendenausschüttung fällt der Aktienkurs um genau diese Dividendenrendite, die Aktie wird dann "ex Dividende" gehandelt. Dafür gibt es verschiedene Abkürzungen. 11 Hier sehen wir den Kursverlauf der Aktie der Deutschen Telekom von circa zweitausendsechs und zweitausendeinundzwanzig in blau. Die Aktie ist in der Zeit um circa fünfzig Prozent gestiegen. Rechnet man aber die Zahlungen der Dividende dazu und investiert man diese Zahlungen wieder in die Aktie, so kommt man auf einen Gewinn von über einhundertdreißig Prozent! Dies wird in der grünen Kurve dargestellt. 12 In vielen Verläufen von Aktienkursen finden Sie den Corona-Einbruch von zweitausendzwanzig. Hier war der Einbruch um dreißig Prozent. Hätten Sie die Aktie in der Situation gehalten? 13 Was ist eine Hauptversammlung? Die Hauptversammlung ist im Deutschen Gesellschaftsrecht eines der drei Organe einer Aktiengesellschaft. Die anderen Organe sind der Vorstand und der Aufsichtsrat der Gesellschaft. Sie dient als Treffen aller Aktionäre der Information und Beschlussfassung über unternehmensbezogene Vorgänge. Stimmberechtigte Teilnehmer der ordentlichen, jährlichen Hauptversammlung sind alle Halter von Stammaktien eines Unternehmens. Während einer ordentlichen Hauptversammlung werden grundsätzliche Entscheidungen für das Unternehmen gefällt, beispielsweise die Wahl der Mitglieder im Aufsichtsrat, Änderungen der Statuten sowie die Ausschüttung von Gewinnen in Form einer Dividende. 14 Was ist eine Kapitalerhöhung? Unter Kapitalerhöhung werden sämtliche Kapitalmaßnahmen verstanden, die auf eine Erhöhung des Eigenkapitals von Unternehmen abzielen. Sie setzt einen satzungsändernden Beschluss der Hauptversammlung voraus und wird durch Ausgabe neuer Aktien zu einem festgelegten Emissionspreis umgesetzt. Mit der Kapitalerhöhung steigt die Zahl der Unternehmensanteile und das Gewicht des einzelnen Papiers sinkt. Eine Kapitalerhöhung wird typischerweise durchgeführt, um einen Liquiditäts-Engpass zu überstehen, neue Investitionen zu tätigen oder um Altschulden zu tilgen. 15 Was ist ein Aktienrückkauf? Ein Aktienrückkauf bedeutet, dass eine Gesellschaft seine eigenen Aktien wieder zurückkauft.  Dies geschieht typischerweise genauso, wie auch jeder Privatinvestor über einen Broker Anteile an Unternehmen kauft: Die Gesellschaft kauft die Anteile auf dem freien Markt zurück. Dazu benötigt sie die Zustimmung der Aktionäre, die üblicherweise auf der Hauptversammlung eingeholt wird. Hat eine Gesellschaft in beiden Fällen erst einmal die Aktien zurückgekauft, so werden diese Aktien gelöscht, sie hören also auf zu existieren. Aus diesem Grund können zu einem späteren Zeitpunkt dieselben Aktien nicht wieder auf dem Markt gehandelt werden. 16 Typische Gründe für einen Aktienrückkauf sind erstens die Pflege des Aktienkurses. Wenn eine Gesellschaft Aktien zurückkauft, entsteht dadurch eine Verringerung der verfügbaren Anteilsscheine. Auf diese Weise steigt in der Regel automatisch der Aktienkurs. In manchen Fällen lösen Unternehmen die aufgekauften Aktien auf, wodurch die ausgegebenen Aktien eine Wert- und Kurssteigerung erfahren. Das Grundkapital wird dabei auf weniger Anteile verteilt. Ein zweiter Grund ist die Anlage von überschüssiger Liquidität. Hat ein Unternehmen einen Liquiditätsüberschuss, kann dieser durch den Aufkauf eigener Aktien in eine Geldanlage umgewandelt werden. 17 Ein dritter Grund für einen Aktienrückkauf ist die Verbesserung der Eigenkapitalrendite. Indem Unternehmen Aktien aufkaufen, können sie das Grund- und Eigenkapital reduzieren. Dadurch steigt der Gewinn pro Aktie. Zugleich steigt die Gesamtkapitalrendite. Abschließend ist als Grund noch der Schutz vor Übernahmen zu nennen. Durch den Aktienrückkauf verringern Unternehmen die frei verfügbaren Anteile. Auf diese Weise wird eine feindliche Übernahme durch andere Unternehmen erschwert. 18 Was ist ein Aktiensplit? Bei einem eins-zu-zwei Aktiensplit, werden zwei neue Aktien für eine alte Aktie ausgegeben. Dabei würde sich sowohl der Nominalwert, als auch der Kurswert plötzlich halbieren, was unerfahrene Anleger zu dem Glauben verleiten könnte, der Kurs sei um fünfzig Prozent eingebrochen. Daher werden die historischen Kurse in den meisten Kursanalyseprogrammen automatisch angepasst, so dass ein Aktiensplit in der Grafik nicht zu erkennen ist. In den meisten Darstellungen der Handelssysteme sind die Zeitpunkte von Splits jedoch gekennzeichnet. 19 Was ist ein Reverse Split von Aktien? Die Aktienzusammenlegung ist das Gegenteil eines Aktiensplits und die Maßnahme einer Aktiengesellschaft, welche die Anzahl der ausgegebenen Aktien verringert, wodurch der Börsenkurs der verbleibenden Aktien entsprechend steigt. Eine Aktienzusammenlegung muss ebenso in der Hauptversammlung beschlossen werden. Es kann triftige Gründe geben, die eine Aktienzusammenlegung erforderlich machen. Wenn die Aktien eines Unternehmens zu sehr niedrigen Börsenkursen gehandelt werden (Stichwort: Pennystocks), ist es nach dem deutschen Aktiengesetz untersagt, neue Aktien zu emittieren, da neue Aktien nicht unter dem Nennwert der alten Aktien ausgegeben werden dürfen.